Wasmuth-Lecture: Colm Toibin

In der Reihe der Wasmuth Lectures nehmen Autoren aus den Künsten, auch Wissenschaft und Politik zu Fragen unserer Zeit Stellung. Mit Colm Toibin ist einer der bedeutendsten irischen Schriftsteller der Gegenwart zu Gast. Studierende der Barenboim-Said Akademie spielen Mieczyslaw Weinbergs Streichtrio op. 48.

Der Bücherverkauf wird vom Kunst-Buch Kollwitzplatz durchgeführt.

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Dreimal Europa: Eine Festung im Kopf

„Wir alle leben in unseren Dörfern, Städten und Ländern, doch wir bewohnen auch ein imaginäres Europa – ein Europa, das an die Stelle unserer jeweiligen Nationen gerückt zu sein scheint, gleich einer Idee, von der man träumt, die wesentlich ist für unser geistiges Leben, die uns aber auch entgleiten kann. Für Einwanderer ist Europa nur ein Wort für Kummer und Mühsal oder für strikte Regeln bei dem Versuch, Wurzeln zu schlagen und in den reichsten, bekanntesten Orten des Kontinents Arbeit zu finden. Obgleich die europäische Geschichte des 20. Jahrhundert von Vertreibung geprägt ist, steht Europa für Stabilität, auch für Stabilität der Kulturen. Die Behauptung steht im Raum, dass Europa durch Neuankömmlinge von außen destabilisiert und seine Kultur verwässert werden könnte. Kaum jemand im öffentlichen Leben wagt zu sagen, dass Europa durch Einwanderer bereichert werden könnte, dass unsere Kultur im Herzen erkaltet ist und sie der Erneuerung durch frische Stimmen bedarf statt neuer Grenzen.“

Colm Tóibín

Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung.

15.11.2019 - 19:30 bis 21:30
Pierre Boulez Saal, Französische Str. 33d, 10117 Berlin
10,00€