Die neuen, wiederentdeckten Fotograf*innen mit ihren neuen Büchern

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Report from Exile. Fotografien von Fred Stein. Deutsches Historisches Museum, 20€

Die aktuelle Online-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum: "Report from Exile" erinnert an den deutschen Fotografen Fred Stein. Es gilt, einen hervorragenden Fotografen (wieder)zuentdecken, der mit seinen Porträts von Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Literatur und mit seinen Aufnahmen von arbeitenden Menschen in den Großstädten zu den Pionieren der  Straßen-Fotografie zählt. Er gehörte zum Freundeskreis um Robert Capa und war schon vor seiner Flucht aus Deutschland 1933 politisch engagiert.  Im Pariser Exil dokumentierte er soziale Mißstände und Armut, die auch heute immer noch oder wieder in vielen Ländern auftreten. "Ich begegnete Fred, als wir beide als Flüchtlinge das totalitäre Naziregime mit unseren ziemlich bescheidenen Mitteln bekämpften. Für seine Zeit war er sehr avantgardistisch, ein brillanter Fotograf, dessen Bilder widerspiegelten, dass er vom Streben nach Gerechtigkeit und Bedacht auf Wahrheit inspiriert wurde." Willy Brandt, 1983. Eine breite Auswahl seines fotokünstlerischen Schaffens findet man im Buch: Fred Stein: Paris, New York. Kehrer Verlag, 40€.

Das Aufzeigen von sozialen Mißständen und Angriffen auf demokratische und Grundrechte ist Thema der "Woche der Meinungsfreiheit" vom 3. - 10. Mai 2021, initiiert vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Annie Leibovitz: The Early Years (1970 - 1983). Taschen, 40€

Die von Leibovitz persönlich zusammengestellte Sammlung, die auch Kontaktbögen und Polaroidfotos enthält, dokumentiert Leibovitz' Entwicklung als junge Fotografin. Sie dokumentierte aufregende politische und gesellschaftliche Ereignisse wie die Proteste gegen den Vietnamkrieg, den Start von Apollo 17, den Präsidentschaftswahlkampf von 1972 und die Tournee der Rolling Stones 1975. Zu den porträtierten Stars zählen u. a. Muhammad Ali, Mick Jagger, Keith Richards, Patti Smith, Bruce Springsteen, Joan Didion, Debbie Harry und John Lennon & Yoko Ono. "The Early Years" ist eine Hommage einer legendären Fotografin, zugleich auch eine Hymne an das Leben on the road mit seinem spezifischen Rhythmus, zufälligen Begegnungen und meditativen Momenten.

Curtis Moffat: Silver Society. Steidl, 44€

Dies ist die erste Veröffentlichung des amerikanischen Künstlers Curtis Moffat, der für seine dynamischen abstrakten Fotografien, innovativen Farbstillleben und einige der glamourösesten Gesellschaftsporträts des frühen 20. Jahrhunderts bekannt ist. Moffat lebte in den 1920er und frühen 30er Jahren in London während der Ära der "Bright Young Things" und schuf stilvolle fotografische Porträts führender Persönlichkeiten des Theaters und der Künste, darunter Cecil Beaton, Nancy Cunard, Lady Diana Cooper und Daphne Du Maurier. In den Jahren 2003 und 2007 spendete Moffats Tochter Penelope sein umfangreiches Archiv großzügig an das Victoria and Albert Museum. Dieses Buch stammt aus diesem Archiv und zeigt Moffats wegweisende und zu entdeckende Fotografie in all ihrer Tiefe und Schönheit.

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Das besondere Bild. Werk und Leben des Fotografen Sven Simon. Edition Braus, 20€

Fußballer Uwe Seeler mit hängendem Kopf nach der WM-Niederlage, Revolutionär Fidel Castro entspannt mit Zigarre in den kubanischen Bergen, Bundeskanzler Helmut Schmidt vertraut mit seiner Frau Loki beim Schach: Augenblicke festzuhalten, die eine Geschichte erzählen und selbst Geschichte werden, sind ein Glück für jeden Fotografen. Sven Simon (1941-1980) ist das gelungen. Unaufdringlich, uneitel, aber stets fokussiert, ging der älteste Sohn des Verlegers Axel Springer mit Pseudonym und Kamera auf die Suche nach dem besonderen Bild. Zu seinem 80. Geburtstag erinnert dieser Bildband an den preisgekrönten Journalisten, lädt aber auch zur Neuentdeckung ein.

New Queer Photography. Kettler, 58€

Dass Schwul- und Lesbischsein in bestimmten Ländern und Gesellschaften nach wie vor Ausgrenzung, Einsamkeit, Stigmatisierung und Gewalt bedeuten können, zeigt eindrucksvoll eine Reihe von dokumentarisch arbeitenden Fotografen. Das sorgsam recherchierte und umfangreich ausgestattete Buch stellt rund 40 zeitgenössische fotografische Positionen vor, darunter bereits etablierte Namen wie Florian Hetz, Matt Lambert, Ren Hang, Exterface, Luke Austin, Ferry van der Nat, Jeremy Kost, Zanele Muholi oder Robin Hammond sowie zahlreiche vom Publikum wenig beachtete oder noch unbekannte Talente. Mit Texten von Ben Miller vom Schwulen Museum Berlin.

Ich lebe. Wie Kinder Kriege überstehen. Ein Jahrhundertporträt. Kerber Verlag. 45€

426 Millionen Kinder wachsen aktuell in Kriegsgebieten auf. Seit 1919 schützt und fördert SAVE THE CHILDREN deshalb Kinder in über 110 Ländern. Anlässlich ihres 100. Jubiläums stellt die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt zusammen mit dem Schweizer Fotojournalisten Dominic Nahr zehn Kinder und ein >Baby der Hoffnung< vor, die die Kriege der vergangenen 100 Jahre überlebt haben. In diesem berührenden Bildband erzählen sie von ihren Schicksalen und dem Kriegsalltag, von Flucht und Vertreibung, aber auch, wie sie ihren eigenen Weg gefunden haben. Gastautoren: AnneSophie Mutter, Ingo Zamperoni, Anne Watts, Margrethe Vestager, Ban Kimoon, Professor Wole Soyinka und andere.